Was es wirklich zu wissen gilt …

Kürzlich kam eine Klientin zu mir. Besser gesagt, sie wurde von ihrer Mutter geschickt. Sehr unsicher und nervös, mit leiser Stimme versuchte sie mir ihr Problem zu schildern. Endschuldigte sich immer wieder, weil sie so aufgeregt und angespannt sei. Neben dem Mitgefühl für ihre derzeitige Situation wurde mir bewusst, wie oft ich ähnliche Schilderungen bereits gehört hatte. In unterschiedlichen Facetten und trotzdem gleich.

StudiumDer Wunsch dieser Klientin war es, durch ein Coaching herauszufinden, welche Studienrichtung sie für das kommende Herbstsemester wählen sollte. Sie erzählte mir, dass ihr Abiturdurchschnitt von 1,3 einiges ermöglichte. Leider nicht die Richtung, die sie interessierte. Sie hatte sich dann für eine Hochschule entschieden, die örtlich in der Nähe lag. Nach ca. einem ¾ Jahr war dann offensichtlich, dass es für sie nicht die richtige Entscheidung war und auch der vorgenommene Wechsel erwies sich als nicht der richtige.

Auf die Frage, nach welchen Kriterien sie die Wahl für ihre berufliche Zukunft getroffen hatte, für welche Orientierung das Studium Grundstein sein sollte, antwortete sie dann: meine Mutter meinte, das wäre interessant und: mein Vater meinte, damit kann man später gutes Geld verdienen, … Lehrer und Tanten reihten sich in die Reihe der Ratgeber ein – mit besten Absichten sicherlich.

Meinen, denken, glauben ist eines … aber wissen sollte jeder, wofür sein Herz schlägt, was er will und kann, wer er ist …
keine einfache Sache

Darum schlug ich ihr vor, genau das herauszufinden. Das super Abiturzeugnis ließen wir außen vor und machten uns auf verschiedenen Wegen auf Entdeckungstour zu ihren Talenten, Interessen und sonstigen Fähigkeiten.

Erstaunliches kam da aus Kinder- und Grundschultagen zum Vorschein und entlockte ihr ein „Ja, dabei vergaß ich die Zeit … das hat mir die gesamte Schulzeit Spaß gemacht … und auch ´ne, das auf keinen Fall, das habe ich nie gemocht …“

Es ging vor allem auch um die sogenannten sozialen Kompetenzen, die man im Kontakt mit anderen und bei der Zusammenarbeit benötigt. Diese sind einem oft gar nicht bewusst oder man betrachtet sie als selbstverständlich.
Dazu gehören zum Beispiel Verantwortung zu übernehmen, Wissen vermitteln zu können, Hilfsbereitschaft, Geduld, Organisationstalent und in schwierigen Situationen Zuversicht zu verbreiten. Eigenschaften, die bei Kontakt von anderen Personen als angenehm und wertvoll geschätzt werden.

Sie überlegte und sagte dann, dass sie sehr gerne ihren Geschwistern hilft, ihnen etwas beibringt. Sich Wissen anzueignen und dann weitzugeben, das könne sie richtig gut und das mache ihr auch Freude. Schreiben und Berichten gehöre ebenfalls dazu, die Arbeit an der Schülerzeitung habe sie geliebt, und … und … und …

vollgestopft mit Wissen – nur von sich selbst weiß man oft wenig

Fleißig sein um gute Noten zu bekommen, Lob und Anerkennung von Lehrern und Eltern. Den Geist mit theoretischem Wissen zu füttern kann sehr hilfreich sein, es ist jedoch nicht genug.

Ich bin der Ansicht, um sein Leben selbst gestalten zu können, dabei gesund zu bleiben und glücklich zu werden ist es gut zu wissen, was Erfüllung bringt, wobei sich Freude und Zufriedenheit einstellen. Welche Talente schlummern im Inneren und was genau sind die eigenen Stärken.
Gesundes Selbstvertrauen ist eine solide Basis um zukünftige Herausforderungen zu meistern und auch Niederlagen durchzustehen.

Erkenntnis

Eine Analyse der Biostruktur kann hier unterstützen und sehr nützliche Erkenntnisse bringen 5 Schritte, die dabei unterstützen, sich selbst besser kennenzulernen.
Jeder Mensch ist einzigartig, genetisch veranlagt und durch Umfeld und eigene Erfahrungen unterschiedlich geprägt.

Die Analyse beantwortet Fragen wie:

  • Wie ist meine bevorzugte Denk- und Arbeitsweise?
  • Wie bin ich zeitlich orientiert?
    (baue ich auf Vergangenes, handle eher spontan oder eher planvoll)
  • Wie gestaltet sich meine Beziehung zu Menschen?
    (verlasse ich mich auf mein Gespür, bin zurückhaltend oder strahle natürliche Autorität aus)
  • Wodurch bin ich erfolgreich oder was macht den Erfolg meiner Arbeit aus? (begeistere der überzeuge ich)

Durch diese Einsichten werden Möglichkeiten und auch Grenzen sichtbar, erlauben die volle Ausnutzung des persönlichen Potenzials.

Bewertungen die wir in der Kindheit, in der Schulzeit oder auch später von anderen hören oder auch selbst erfahren, haben nichts mit uns zu tun, denn sie sind nur Reflexionen von anderen. Wir übernehmen sie oft als sogenannte „Glaubenssätze“ und manche von ihnen bleiben dauerhaft hängen und nehmen Einfluss auf unser Handeln und unsere Entscheidungen.

Wir treffen also Entscheidungen obwohl wir uns etwas anderes wünschen, das passiert meist unbewusst.

Sich selbst kennenzulernen

Mit den erarbeiteten Erkenntnissen und der Auswertung der Biostruktur wurde für meine Klientin offensichtlich, dass zum Beispiel die Tätigkeit mit Kindern, also der erzieherische Bereich nicht wie angenommen, das ist, worin sie Erfüllung findet.

Ihr Herz schlägt für das Recherchieren, Forschen, Erkenntnisse gewinnen und diese dann weiterzugeben. Direkt im Team oder auch über das Schreiben und Veröffentlichen. Themen und Fachgebiete ergaben sich aus ihrem persönlichen Wertesystem und aus ihren Interessen. Personen, die sie schätzt und für ihr Tun bewundert waren ebenso Quelle wie Personen des öffentlichen Lebens.

Neben dem Erkennen der eigenen Persönlichkeit gelangte auch das bisher Erreichte ins Bewusstsein und wirkt sich sehr positiv auf das Selbstvertrauen aus. Die Stimme wird langsam fester. Wir sind auf einem guten Weg 😊

Die Diskrepanz zwischen Gefühl und Verstand halte ich als ursächlich für viele Probleme, die wir in Organisationen, Unternehmen und auch Familien haben:

Wir richten uns nach Empfehlungen, Ratschlägen, gesellschaftlich begründeten Vorgaben, Ansichten, Leitbildern und Erwartungshaltungen. Wir sind dann aber verwundert, dass wir nicht so glücklich sind, wie wir sein wollen und sich auch unser Zusammenleben bzw. Zusammenarbeiten so beschwerlich darstellt.
Sich selbst und andere richtig kennnenlernen, ist nicht nur eine spannende Angelegenheit, sondern führt auch zu mehr Lebensqualität und bei Akzeptanz und Kompromissbereitschaft zu guten Beziehungen.

Vielleicht kennst du diese Gratwanderung zwischen dem Wunsch, Erwartungen zu entsprechen und den eigenen Bedürfnissen ja.
Daran sollten wir etwas verändern, findest du nicht auch?

Deshalb habe ich ein paar Fragen zusammengestellt:

  •  Welche sind deine Fähigkeiten und welche von ihnen machen dir besonders viel Freude?
  • Welchen Sinn/ Beitrag erfüllst du damit?
  • Was lässt dich morgens gut aufstehen, was treibt dich an?

Wende diese Fragen auch auf deinen Partner, deine Familienmitglieder oder Kollegen an. Was würden sie antworten? Wie gut kennst du sie? Nimm dir Zeit, zu reflektieren.

In dem wir bewusster mit uns und unserem Umfeld umgehen, so wohler fühlen wir uns. Ich hoffe, ich konnte dich mit dieser kleinen Geschichte ein wenig nachdenklich machen. Ich freue mich über deine eigenen Erfahrungen mit diesem Thema. Schreibe sie gern in den Kommentar unter der Geschichte!

Herzlichst,

Katrin Knappe

 

Auszeit – Fasten – Selbsterkenntnis

Vergleichbar mit der Betrachtung eines Gemäldes von dem man 3 Meter zurücktritt um seine Gesamtwirkung zu erfassen, so ziehe ich mich jährlich 7 Tage von meinem Alltagsleben zurück und widme mich ausschließlich mir selbst und der Frage:
„Bin ich noch auf meinem Weg, geht es mir wirklich gut?“.

Das erste Mal sprach ich mit meinem Herzen 2014

… und entschuldigte mich für den Raubbau, den ich jahrelang an meinem Körper und meiner Seele betrieben hatte.  Ich versprach hoch und heilig von nun an besser auf meine Gesundheit zu achten, wenn es sich nur wieder beruhigen und mir eine zweite Chance geben würde.
Hohe Erwartungshaltungen an mich selbst hatten mich beruflich und auch persönlich immer wieder meine Grenzen weit überschreiten lassen. Warnsignale habe ich einfach ignoriert, bin Entscheidungen im wahrsten Sinne stundenlang davongelaufen.

heart-914682__480

Da Versprechen gehalten werden sollen, ziehe ich mich nun jedes Jahr in die Stille und Natur zurück, halte mit einer Fastenkur innere Einkehr und trete in den Dialog mit meinem Herzen, kläre Fragen wie:

 

  • Wie geht es mir, wie fühle ich mich? Geht es meinem Herzen gut?
  • Ist das , was ich tue und womit ich mich beschäftige wirklich bedeutsam und wichtig für mich?
  • Fühle ich mich mit den Menschen um mich herum wohl oder gibt es jemanden, der mir Kraft raubt und meinem Wohlbefinden nicht zuträglich ist?
  • Nehme ich mir genug Zeit für mich und für die Menschen, die mir am Herzen liegen?

Durch den Rückzug in die Stille des Gartens oder bei Spaziergängen spüre ich ganz deutlich meinen eigenen inneren Rhythmus. Es wird mir bewusst, was ich brauche um mich wohl zu fühlen, glücklich und zufrieden zu sein und was ich mir wünsche.

Bekannte und auch unbewusste Konflikte erobern sich die ersten Nächte …

… und ich versuche Beruhigung durch einen weiteren schlaffördernden Tee zu erlangen.
Vergeblich. Belastungen und Sorgen der letzten Monate verschaffen sich nachdrücklich Gehör. Das Gedankenkarussell kommt in Bewegung  und es gelingt nicht, die Gedanken zu sortieren. Also aufstehen, Fenster auf. Tief atmen.
„Gefühle wollen gefühlt werden“ sagte damals der weise Professor in der Rehabilitationsklinik Neufahrland, sonst kommen sie irgendwann geballt zurück.
So erlaube ich mir, aufgeregt und aufgewühlt zu sein. Akzeptiere die Gefühle und Gedanken, die  eigentlich gar nicht zu meinem Charakter gehören. Auch sie dürfen sein.
Ich spreche still voller Mitgefühl mit mir und spende Zuversicht. Das hilft. Sicherheitshalber hole ich mir Schreibzeug, um so die nicht zu beruhigenden Gedanken zu bannen, schalte leise Musik ein und lösche wieder das Licht. Langsam kommt der Schlaf. Endlich.

Ruhe und Entspannung kehren ein

Am 3. Fastentag ist nun überhaupt kein Hungergefühl mehr vorhanden und ich komme langsam zur Ruhe, entspanne mich wirklich. Gehe spazieren oder setze mich einfach in den Garten unter einen Baum und schaue den Vögeln und Eichhörnchen zu.
checklist-911841_1280

Mit einer Plus-/Minusliste erfasse und sortiere ich die Dinge, von denen es zukünftig mehr bzw. weniger geben soll. Langsam reifen auch Ideen, wie das ein oder andere umgesetzt werden kann.
Es gelingt mir gut zu meditieren und ich kann mich völlig auf meine Lektüre konzentrieren. Von Tag zu Tag steigt das Körperbewusstsein, die Erkenntnis, was mir gut tut. Es gelingt, Probleme loszulassen und auch die letzten Folgen der Skiurlaubssünden schwinden. Körper und Geist schalten um auf Neustart. Spätestens jetzt ist die positive Wirkung des Fastens ganz deutlich zu spüren.

Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag

Das erste Apfelkompott nach 5 Tagen mit Tee und Mineralwasser erzeugt eine wahre Geschmacksexplosion. Unglaublich.
Neben der behutsamen Einstimmung des Körpers auf die Ernährung plane ich die erste auf die Fastenkur folgende Kalenderwoche. Trage für jeden Tag Entspannungsübungen ein und zwei Termine mit Freunden. Dazu lege ich ein weiteres Blatt  mit zu treffenden Entscheidungen bzw. Aktivitäten. Es sind drei, die für mich momentan wichtigsten. Alle weiteren können warten.
Ich genieße die Sonne, die Ruhe, fühle mich klar, kraftvoll und freue mich auf das erste Abendessen gemeinsam mit meinem Mann.

Das Versprechen an mein Herz ist wieder eingelöst,

denn es schlägt ruhig und gleichmäßig. Es sind weder Kritik noch Beschwerden zu hören.

Q_Knappe_4942

Mein Weg klar abgesteckt und die Richtung eingeschlagen. Kalender und Liste im Gepäck lasse ich die Jalousien meines Häuschens auf dem Lande herunter und trete die Rückreise in die Hauptstadt an.
Für mich ist immer wieder erstaunlich, was eine Woche mit sich selbst bewirken kann.