Auszeit – Fasten – Selbsterkenntnis

Vergleichbar mit der Betrachtung eines Gemäldes von dem man 3 Meter zurücktritt um seine Gesamtwirkung zu erfassen, so ziehe ich mich jährlich 7 Tage von meinem Alltagsleben zurück und widme mich ausschließlich mir selbst und der Frage:
„Bin ich noch auf meinem Weg, geht es mir wirklich gut?“.

Das erste Mal sprach ich mit meinem Herzen 2014

… und entschuldigte mich für den Raubbau, den ich jahrelang an meinem Körper und meiner Seele betrieben hatte.  Ich versprach hoch und heilig von nun an besser auf meine Gesundheit zu achten, wenn es sich nur wieder beruhigen und mir eine zweite Chance geben würde.
Hohe Erwartungshaltungen an mich selbst hatten mich beruflich und auch persönlich immer wieder meine Grenzen weit überschreiten lassen. Warnsignale habe ich einfach ignoriert, bin Entscheidungen im wahrsten Sinne stundenlang davongelaufen.

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Da Versprechen gehalten werden sollen, ziehe ich mich nun jedes Jahr in die Stille und Natur zurück, halte mit einer Fastenkur innere Einkehr und trete in den Dialog mit meinem Herzen, kläre Fragen wie:

 

  • Wie geht es mir, wie fühle ich mich? Geht es meinem Herzen gut?
  • Ist das , was ich tue und womit ich mich beschäftige wirklich bedeutsam und wichtig für mich?
  • Fühle ich mich mit den Menschen um mich herum wohl oder gibt es jemanden, der mir Kraft raubt und meinem Wohlbefinden nicht zuträglich ist?
  • Nehme ich mir genug Zeit für mich und für die Menschen, die mir am Herzen liegen?

Durch den Rückzug in die Stille des Gartens oder bei Spaziergängen spüre ich ganz deutlich meinen eigenen inneren Rhythmus. Es wird mir bewusst, was ich brauche um mich wohl zu fühlen, glücklich und zufrieden zu sein und was ich mir wünsche.

Bekannte und auch unbewusste Konflikte erobern sich die ersten Nächte …

… und ich versuche Beruhigung durch einen weiteren schlaffördernden Tee zu erlangen.
Vergeblich. Belastungen und Sorgen der letzten Monate verschaffen sich nachdrücklich Gehör. Das Gedankenkarussell kommt in Bewegung  und es gelingt nicht, die Gedanken zu sortieren. Also aufstehen, Fenster auf. Tief atmen.
„Gefühle wollen gefühlt werden“ sagte damals der weise Professor in der Rehabilitationsklinik Neufahrland, sonst kommen sie irgendwann geballt zurück.
So erlaube ich mir, aufgeregt und aufgewühlt zu sein. Akzeptiere die Gefühle und Gedanken, die  eigentlich gar nicht zu meinem Charakter gehören. Auch sie dürfen sein.
Ich spreche still voller Mitgefühl mit mir und spende Zuversicht. Das hilft. Sicherheitshalber hole ich mir Schreibzeug, um so die nicht zu beruhigenden Gedanken zu bannen, schalte leise Musik ein und lösche wieder das Licht. Langsam kommt der Schlaf. Endlich.

Ruhe und Entspannung kehren ein

Am 3. Fastentag ist nun überhaupt kein Hungergefühl mehr vorhanden und ich komme langsam zur Ruhe, entspanne mich wirklich. Gehe spazieren oder setze mich einfach in den Garten unter einen Baum und schaue den Vögeln und Eichhörnchen zu.
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Mit einer Plus-/Minusliste erfasse und sortiere ich die Dinge, von denen es zukünftig mehr bzw. weniger geben soll. Langsam reifen auch Ideen, wie das ein oder andere umgesetzt werden kann.
Es gelingt mir gut zu meditieren und ich kann mich völlig auf meine Lektüre konzentrieren. Von Tag zu Tag steigt das Körperbewusstsein, die Erkenntnis, was mir gut tut. Es gelingt, Probleme loszulassen und auch die letzten Folgen der Skiurlaubssünden schwinden. Körper und Geist schalten um auf Neustart. Spätestens jetzt ist die positive Wirkung des Fastens ganz deutlich zu spüren.

Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag

Das erste Apfelkompott nach 5 Tagen mit Tee und Mineralwasser erzeugt eine wahre Geschmacksexplosion. Unglaublich.
Neben der behutsamen Einstimmung des Körpers auf die Ernährung plane ich die erste auf die Fastenkur folgende Kalenderwoche. Trage für jeden Tag Entspannungsübungen ein und zwei Termine mit Freunden. Dazu lege ich ein weiteres Blatt  mit zu treffenden Entscheidungen bzw. Aktivitäten. Es sind drei, die für mich momentan wichtigsten. Alle weiteren können warten.
Ich genieße die Sonne, die Ruhe, fühle mich klar, kraftvoll und freue mich auf das erste Abendessen gemeinsam mit meinem Mann.

Das Versprechen an mein Herz ist wieder eingelöst,

denn es schlägt ruhig und gleichmäßig. Es sind weder Kritik noch Beschwerden zu hören.

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Mein Weg klar abgesteckt und die Richtung eingeschlagen. Kalender und Liste im Gepäck lasse ich die Jalousien meines Häuschens auf dem Lande herunter und trete die Rückreise in die Hauptstadt an.
Für mich ist immer wieder erstaunlich, was eine Woche mit sich selbst bewirken kann.

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