Achtsam bei und mit mir bleiben

“ Ich habe mir versprochen, dass mir das nicht noch einmal passiert … zukünftig werde ich besser auf mich aufpassen.“

Dieser Satz einer Freundin neulich hat mich erinnert. Erinnert an mein eigenes Versprechen, meine Absicht, aus meinen Erfahrungen zu lernen. Und lernen heißt eben üben, üben, üben… dranbleiben … jeden Tag … nicht nachlassen.

„Ich habe damals meinen Stress ignoriert, einfach immer weitergemacht. Weil ich dachte, funktionieren zu müssen und dass ich alles schon schaffen würde. Die Anforderungen und Erwartungen im Job, in der Beziehung und der Familie und natürlich  –  meine eigenen.
Bis ich nicht mehr konnte. Ein Alptraum, zu begreifen, was ich mir selbst angetan hatte und mühselig, die Einzelteile meiner Seele in wochenlanger Kleinstarbeit wieder zusammenzusetzen.
Wunden verheilen, Narben sind kaum noch zu sehen, doch die Haut ist an diesen Stellen immernoch dünn.

Stress als Statussymbol
Für die einen ist Stress ein Statussymbol – ein voller Terminkalender als Zeichen ihrer Wichtigkeit – für andere ein Zustand, der belastet und krank macht.

Gerade in der jetzigen Zeit ist die Lebenssituation für viele eine extreme Belastung. Wirtschaftliche Unsicherheit, Existenzängste. Mit dieser Sorge sind in vielen Familien Kinder nicht nur zu beschäftigen sondern ist ihnen Wissen zu vermitteln. Nebenbei das Homeoffice zu bedienen oder eine berufliche Alternative zu finden und die Wohnung in Schuss zu halten. Nicht wenige kümmern sich auch noch um ihre Eltern, Nachbarn und Bekannte.
Oft sind es die Frauen, die das Familienleben managen, neben der Organisation auch noch für ein angenehmes Familienklima sorgen, die Bedürfnisse und Wünsche erfüllen. Was ist jedoch mit dem eigenen Akku?

Wenn die Belastung ernst wird
Jeder muss in sich selbst hineinhören und feststellen, ob der Stress schon zur Dauerbelastung und Gefahr für die Gesundheit geworden ist. Gibt es körperliche Anzeichen wie Schlafstörungen, Nervosität, Ohrgeräusche, Zitterattacken – einen Kreislauf, der definitiv in eine Abwärtsspirale führt und der Seele und Körper krank macht.
Um schon erste Anzeichen zu deuten, ist es wichtig genau hinzuschauen und zu spüren, ob es der normale „Alltagsstress“ ist oder eine überfordernde Belastung, die bedrohliche negative Folgen haben kann.

Damals im Austausch in der Rehabilitationsklinik und auch heute bei meiner Arbeit als Coach und Mentorin erfahre ich immer wieder, dass Menschen die akuten Stressanzeichen nicht selbst erkannt oder beachtet haben. Manche haben sich nicht getraut darüber zu sprechen und wieder andere wurden von ihrem Umfeld nicht ernstgenommen.

Erst wenn sich ein ausgewachsener Tinnitus meldet, ein Bandscheibenvorfall einen außer Gefecht setzt oder das Herz anfängt zu rasen, wird wirklich bewusst, dass es doch etwas zu viel Stress war. Soweit solltees nicht kommen.

Die Seele sagt zum Körper: Sprich du mit ihm, auf mich hört er nicht.
In der heutigen Leistungsgesellschaft haben wir Menschen verlernt, auf unseren Körper zu hören. Wir haben als Kinder gelernt lieb und artig zu sein, Höchstleistungen in der Schule zu bringen und dann in Job und Familie alles zu geben.
Dabei ist unser Körper der Übersetzer für unsere Seele. Es ist so wichtig, regelmäßig auch im Alltag mit sich und seinem Körper in Kontakt zu sein. Nach innen zu schauen und die Empfindungen im Körper zu spüren. Es geht nicht darum, ständig längere Auszeiten einzulegen, sondern immer wieder zwischendurch kurz durchzuatmen.

Mit Achtsamkeit gelassener durch den Tag
In der Reha-Klinik habe ich erstmals Achtsamkeitsübungen kennengelernt und mich seitdem intensiver damit beschäftigt. Kleine Übungen helfen mir, achtsamer in meinem Alltag zu sein. Dadurch fühle ich mich gelassener, merke dass ich leistungsfähiger und kreativer bin. Ich versuche auch nicht mehr, noch mehr Dinge gleichzeitig oder noch schneller zu erledigen. Ich habe auch meine Prioritäten neu gesetzt. Die positive Wirkung bestätigen auch meine Klienten.

Achtsamkeit ist nötig um bewusst zu leben, das Leben auch zu erleben und ganz besonders in belastenden Lebenslagen von enormer Bedeutung. Du kannst nur etwas gegen deine innere Anspannung tun, wenn du sie auch wahrnimmst.  Dein Körper wird es dir danken, wenn du hellhörig bist und nicht erst auf seine Signale wartest. Stress lässt sich regulieren, minimieren, wenn du rechtzeitig mit Entspannung gegensteuerest.
 

Hier sind meine 10 besten Achtsamkeits-Schnell-Tipps gegen Stress:

Meine Sinne aktivieren

  1. Hören – Lieblingstitel oder Gute-Laune-Musik auswählen, am besten über Kopfhörer
  2. Sehen – ich konzentriere mich auf Gegenstände, die ich sehe und beschreibe sie gedanklich in Form, Farbe, Struktur, etc.
  3. Schmecken – ich hole mir ein Lieblingseis, leckere Früchte oder in besonderen Fällen eine Puddingschnecke aus der Bäckerei 😉
  4. Riechen – an Blumen schnuppern sofern in der Nähe, auch das Parfüm aus der Handtasche tut seine Wirkung
  5. Fühlen – da bevorzuge ich Nüsse, zuerst in der Hand erfühlen und dann noch einmal im Mund mit der Zunge die Oberfläche ertasten
    Innehalten

  6. Atemzüge zählen – das funktioniert überall,  zu jeder Zeit und niemand bekommt es mit.
    Einatmen und bei Ausatmen zählen – 1, einatmen – ausatmen – 2, … bis 10. Reicht das nicht, beginne wieder bei 1. (Diese Methode nennt sich auch Atem-zähl-Meditation)
  7. Schon am Morgen mit einem Mantra/ Ritual beginnen:
    „Ich erlaube mir heute, alles in meinem Tempo und auf meine Weise zu tun. Ich werde auf die Einhaltung meiner Grenzen achten.“
  8. Ein eigenes Symbol für Achtsamkeit finden – eine hübsch gestaltete Karte, ein Zitat, eine Muschel aus dem Urlaub, ein Armreif oderoderoder in Sichtweite
  9. Ein kurzer Spaziergang, wenn möglich im Grünen – in der Mittagspause oder nach der Arbeit, am besten regelmäßig
  10. To do Listen – Ich bin ein Listenfreak. Tagesliste erstellen und abhaken. Nichts dazuschreiben sondern für den neuen Tag eine neue Liste anlegen. So bleibt das Tagespensum übersichtlich, alternativ können auch Punkte gestrichen und durch wichtigere ersetzt werden. 😉

Probiere gern die ein oder andere Übung aus und schau, welche für dich am besten passt. So kannst du in kleinen Schritten versuchen, deinen Stress zu regulieren und gelassener deinen Alltag zu meistern. Schreibe mir gern, welcher Tipp für dich hilfreich war und was für einen Unterschied du festgestellt hast.

Hast du das Gefühl, deinem Hamsterrad einmal einige Stunden, einen oder zwei Tage entfliehen zu wollen um Kraft zu tanken und dich zu sortieren, kontaktiere mich gern. Ich würde mich freuen, dich an meinem eigenen Kraftort willkommen zu heißen.

Herzlichst,

Katrin